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Während andere ihre Freizeit lieber auswärts in Clubs oder Restaurants verbringen, gibt es die Menschen, die ihre freie Zeit am liebsten in den eigenen Vier Wänden verbringen. Der Trend, sich mit Freunden und Familie zuhause zu treffen, findet immer mehr Anhänger.

Social Cocooning ist ein Begriff von einem verpuppen in Gemütlichkeit des eigenen Zuhauses. Laut Sigmund Freund ist die gewollte Vereinsamung ein möglicher Weg zum eigenen Glück. Er war es auch der sagte, dass wir in einer schwierigen und unübersichtlichen Welt am besten zuhause bleiben. Das kam uns besonders in der Pandemie gelegen.

Lagerfeuer Flair

Schon seit den 80er Jahren gilt der Begriff „Cocooning“ als ein Rückzug aus der unkontrollierbaren und komplexen Umwelt in die eigenen vier Wände. Im 21. Jahrhundert wurde diesem eine soziale Komponente hinzugefügt.

Social Cocooning beschreibt das Zusammentreffen von Menschen in einer entspannten Wohnzimmeratmosphäre. Dazu zählt unter anderem der Spieleabend mit Freunden oder das Glas Wein und gemeinsame Netflix anschauen auf der Couch. Es ist ein geplantes Treffen unter Freunden.

Dabei hat diese Form des sozialen Treffens nichts mit dem Alter zu tun. Auch wenn die wilde Party Nacht oft mit den Worten „Nein ich bleibe zu Hause. Ich bin zu alt für sowas“, dankend entsagt wird.

2016 wurde der Begriff Social Cocooning vom britischen Wörterbuch Collins unter die Top 10 Wörter des Jahres gewählt. Ein Jahr später tauchte es in einer Publikation des Zukunftsinstituts auf. Dort wird es als eines von acht Trendphänomenen unserer Zeit beschrieben.

Geplanter Rückzug

Nicht nur die Pandemie war in den letzten Jahren unser ständiger Begleiter. Auch ökonomische und politische Herausforderungen und Veränderungen stellen unser Leben auf den Kopf. Viele junge Menschen machen sich Sorgen um das Klima.

So ist es nicht verwunderlich, dass sich viele nach einem sicheren Rückzugsort sehnen. Einen Ort der Unbeschwertheit, Gemütlichkeit und Vertrauen. Und was eignet sich dafür besser als das eigene zuhause?

Wo man über Social Cocooning spricht, sind Begriffe wie Hygge oder JOMO (= Joy of missing out) nicht fern, sind sie doch wichtige Bestandteile davon.

©Kelly Sikkema auf unsplash
  • Hygge:  Der Begriff kommt aus dem Dänischen. Er wird oft mit Heimeligkeit oder Gemütlichkeit übersetzt. In Deutschland hat es sich als Wohntrend durchgesetzt. Skandinavisches Glück mit Wohlfühl-Atmosphäre bei Kerzenschein, Keksen und kuscheligen Kissen.
  • JOMO: Dies ist der Gegenpart von FOMO (= Fear of missing out). Es beschreibt die Freude daran, das Handy wegzulegen oder ein Ereignis zu verpassen. Die Zeit wird lieber für sich genutzt.

Sowohl Hygge als auch JOMO sind wichtige Aspekte des Social Cocooning. Sie stehen für eine gemütliche Umgebung, in der man gerne seine Freizeit verbringt. Auch beschreiben sie die Freude daran, sich voll auf den Moment einzulassen.

Schaffen des eigenen Kokons

Um das eigene Zuhause in eine echte Oase zu verwandeln, gibt es viele Wege. Folgende Ideen sollten dabei helfen.

  • Homeoffice: Nüchtern betrachtet ist das Arbeiten von zuhause Ideal für social Cocooning. Allerdings ist diese Art des Arbeitens auch sehr Stressanfällig. Um den geschützten Kokon nicht kaputt zu machen, sollte ein fester Arbeitsplatz geschaffen werden. In dieser Zeit sollten man den Menschen die sonst noch mit in der Wohnung / Haus leben mitteilen, dass man nicht gestört werden möchte. Nach Feierabend sollte der Arbeitsplatz verlassen werden. Wenn man dafür kein eigenes Zimmer hat, sollten sämtliche Relevanten Unterlagen und Geräte weggeräumt werden. Nur dann ist es möglich, auch in den verdienten Erholungsmodus zu schalten.
  • Gesundheit: Während der Pandemie wurden sich das ein oder andere heimische Fitnessstudio zugelegt. Body-Weight-Workouts oder Yoga gibt es als kostenlose Videos im Internet. Wer seinen Sport gerne mit anderen macht, kann dies per Video-Chat machen. So kommt auch das Miteinander nicht zu kurz.
  • Kochen:  Egal ob mit Rezepten aus dem Internet, Kochboxen oder kreativen Eigenkreationen: Das selbst kochen ist oft gesünder als der Lieferdienst. In den meisten größeren Städten finden regelmäßig Kochevents statt, bei denen man neue Bekanntschaften macht und gemeinsam essen kann.
  • Basteln: In den sozialen Medien, besonders auf Pinterest und Instagram erhält man viele kreative Bastelideen. So lernt man sogar aus Abfall noch richtige Schmuckstücke zu basteln. Das Beste, es geht sogar gemeinsam mit der besten Freundin oder dem besten Freund.
  • Stricken: Nicht vieles fühlt sich so gemütlich an wie Stricken und das hat seinen Grund. Die selbstgestrickten Socken, Schals oder Handschuhe halten warm und bringen einen gemütlich durch den nächsten Winter.
  • Puzzeln & Rätseln:  Puzzeln erlebte durch die Pandemie einen neuen Hype. Seit Beginn der Pandemie verzeichnete der Hersteller Ravensburger einen Anstieg um 20 Prozent bei seinen Verkäufen. Es soll sogar zu Lieferengpässen gekommen sein. Escape-Game-Puzzle vermischen dabei das Erlebnis des Puzzelns mit den Rätseln eines Escape Rooms.

Social Cocooning und die Pandemie

Während der Pandemie fühlten sich viele Menschen von der Welt verunsichert. Zwischenmenschliche Interaktionen und die eigene Gesundheit waren nicht mehr selbstverständlich. Social Cocooning war dabei die Antwort für viele nach der Suche von Sicherheit.

Die Unternehmerin und Futuristin Faith Popcorn ist die Schafferin des Social Cocooning. Bereits in den 80er Jahren stellte sie fest, dass sich immer mehr Menschen in die eigenen Vier Wände zurückzogen. In der Pandemie wurden es mehr und mehr, welche die Sicherheit des Zuhauses der Öffentlichkeit vorzogen.

Doch während Social Cocooning vor der Pandemie meist ein Gefühl von Wärme und Ruhe vermittelte, wurde dieser pandemiebedingte Rückzug bald stressig. Homeoffice und Home-Schooling forderten ihren Preis, nicht nur bei den Eltern.

Die Techniker Krankenkasse erfasste in einem Gesundheitsreport, dass sich 42 Prozent während des zweiten bundesweiten Lockdowns stark von der Corona-Pandemie belastet fühlten. Dies war eine Steigerung des Vorjahrs von 7 Prozent. 89 Prozent gaben sogar an, dass ihnen die Einschränkungen der sozialen Kontakte zu schaffen macht.

Ein Begriff, viele Möglichkeiten

Anja Kirig vom Zukunftsinstitut schreib in ihrer Publikation, dass Social Cocooning nicht nur Begegnungen für Friede, Freude und Eierkuchen sind. Sie können ebenso ein Ort für Konsensbildung und Diskussionen sein.

Social Cocooning muss nicht zwangsweise immer in den eigenen vier Wänden stattfinden. Slow Reading Clubs mit ihren regelmäßigen Treffen in Cafés gehören ebenfalls dazu. Diese Art des gemeinsamen Lesens kann als Social Cocooning Aktivität im öffentlichen Raum gesehen werden.

Im Slow Reading Club geht es darum, zu lesen was man möchte, ohne dabei ständig der Ablenkung durch Smartphones und Co. zu erliegen. Dabei hilft schon die bloße Gegenwart der anderen Leser und Leserinnen.

Bei diesem Trend geht es daher weniger um den Ort des Treffens oder die geplante Aktivität. Vielmehr geht es um das Gemeinschaftsgefühl was dabei entsteht.

Nur zuhause sein ist auch nicht das wahre

Social Cocooning
©Julia Peretiatko auf unsplash

Spätestens mit den Corona-Lockdowns ist vielen von uns bewusst geworden, wie sehr sie das öffentliche Leben schätzen und vermissen. Das im Live-Stream verfolgt Konzert wird nie das gleiche sein, wie bei einem Konzert in der ersten Reihe zu stehen. Auch der einfache Besuch in einer viel zu lauten Bar ist etwas, worauf viele nicht verzichten möchten.

Und das müssen wir auch nicht. Denn niemand schreibt uns vor, dass wir nur dass eine oder das andere dürfen. Beide Seiten und alles dazwischen hat seine Daseinsberechtigung und sollte keiner Rechtfertigung bedürfen. Egal ob wir uns lieber dem Scrabble-Abend mit Rotwein widmen oder dem Abend inmitten einer tanzenden Menge fremder Menschen.

Es ist zu wünschen, dass der Trend des Social Cocooning beide Seiten endlich gleichberechtigt nebeneinanderstellt und man das machen kann, worauf man wirklich Lust hat, ohne sich in der Gesellschaft rechtfertigen zu müssen.